Das 4 Zimmer-Modell

Den Konflikten eine Sprache geben!

Konflikte sind das Salz und der Pfeffer unseres Lebens. Das „4 Zimmer-Modell“ gibt inneren Konfliktabläufen eine Sprache. Eine Sprache, die einfach ist. Eine Sprache, die verstanden wird. Das „4 Zimmer-Modell“ ist simpel. Und! Das „4 Zimmer-Modell“ ist in erster Linie ein neues Führungsinstrument!

Es wurde und wird sehr viel über Konflikte geschrieben: Sie sind die Wurzel jeder Veränderung, denn ohne Konflikte bleibt nur Stagnation. Konflikte sind immer eine Chance. Aber! Was bisher fehlte, war eine gemeinsame Konfliktsprache: Eine Sprache, die Orientierung schafft. Eine Sprache, die verstanden wird. Eine Sprache, die eine eigene oder eine fremde Konfliktsituation beschreibt. Eine Sprache, in der auch eine gute Prise Humor enthalten ist.

Wir unterscheiden vier Konfliktphasen. Versuchen Sie, sich selbst in einer wiederzufinden.

Zimmer 1: Die Zufriedenheit

Wir sind zufrieden mit uns und der Umwelt. Wir geniessen die Harmonie und lassen es uns gut gehen. Bis ein Ereignis, häufig kommt es von ausserhalb und wir haben keinen Einfluss darauf, uns aus dieser Zufriedenheit stösst. Durch eine Einwegtüre gelangen wir ins Zimmer 2.

Zimmer 2: Die Verneinung

Die Verneinung ist unsere erste Reaktion darauf, nicht mehr zufrieden zu sein. Nein!

  • Nein, ich will nicht!
  • Nein, lass mich sein!
  • Nein, es war doch gerade noch so gemütlich.

Je heftiger die Umstände beim Verlassen des Zimmers 1 sind, desto heftiger wird auch das Nein beim Ankommen im Zimmer 2 sein.

Vergleichen Sie selbst:

  • Einem Kind wird gesagt, dass es sein Computerspiel beenden soll. Die erste Reaktion ist immer ein Nein. Ein gesagtes oder ein gedachtes Nein. Die meisten Kinder stecken eine solche Massregelung allerdings ohne grössere Probleme weg und betreten die Phase 3.
  • Einem Angestellten wird gekündigt. Sein Nein wird heftig sein und gleichzeitig betritt er das innere Feld seiner negativen Emotionen: Wut und Ablehnung, Schuldzuweisungen und Eifersucht, Aggressionen und Hass sind die Begleiterscheinungen eines grossen „Nein“. Die Phase 2 ist also auch das Zimmer der negativen Emotionen.
  • Alle Mitarbeiter der Firma „Neu“ erhalten aufgrund einer internen
    Reorganisation neue Verträge. Auch wenn diese neuen  Anstellungsverträge besser wären als die Alten, würde ein Aufschrei durch die Belegschaft hallen und dieser Schrei hiesse: „Nein! Nein, lasst doch alles beim Alten bleiben. Es geht doch auch so wie bisher. Was sollen denn alle diese Neuerungen?“

Wie immer man ins Zimmer 2 gelangt, es wird kein direktes Zurück ins Zimmer 1 geben. Jetzt läuft die Veränderung, und der Mensch befindet sich in seinem ganz persönlichen Konfliktschema. Das Zimmer 2 kann schnell und mit Leichtigkeit durchschritten werden oder aber der Gang wird zur Mühsal und
zur Pein, woraus fast kein Ausweg mehr zu finden ist. Einer der Gründe
weshalb dies so ist, liegt im Übergang zum Zimmer 3 verborgen.

Der Durchgang zum Zimmer 3 ist keine Einwegtüre, wie wir es vom Übergang von Zimmer 1 ins Zimmer 2 kennen. Der Übergang in das Zimmer 3 ist eine Drehtüre. Menschen in dieser Konfliktphase befinden sich also nicht nur im Zimmer 2 sondern wandern auch ins Zimmer 3 und wieder zurück. Kein Wunder also, dass der Aufenthalt in diesen Zimmern, je nach Konfliktsituation, sehr lange andauern  kann.

Zimmer 3: Verwirrung

In der Phase der Verwirrung fehlt die Orientierung. Man hat den Boden unter den Füssen verloren und weiss nicht, wie es weitergehen soll. Menschen in dieser Phase verlieren ihr Selbstbewusstsein, sie sind ratlos und sie sehen keine Zukunft für sich selbst.

Vergleichen Sie wieder:

  • Das Kind, welches eben noch am Computer spielte, ist ratlos, was es denn jetzt tun soll. Langweile entsteht und Ratlosigkeit. Lustlos und ohne eigenen Antrieb hängt das Kind herum, nervt Mutter und Vater; kurz, das Kind weiss nichts mit sich selbst anzufangen. Es ist verwirrt!
  • Der Angestellte ist noch immer wütend. Er empfindet die Kündigung als ungerechtfertigt. Trotzdem weiss er, dass er so rasch als möglich eine neue Anstellung finden müsste. Aber wo soll er sich bewerben? Und wie bewirbt man sich denn eigentlich? Muss er sich bei der Arbeitsvermittlung melden? Oder soll er seinen Fall vor ein Arbeitsgericht bringen? Wie soll er in Zukunft seine Miete bezahlen? Was wird seine Frau zu seinem Verlust sagen? Vor lauter neuen Fragestellungen könnte unser Angestellter beinahe irr werden. Er weiss nicht, wie es weiter geht. Er weiss sich keinen Rat. Hier öffnet sich schnell und immer wieder die Türe zurück zum Zimmer 2. Er wird noch wütender. Er empfindet alles als Ungerechtigkeit. Der Angestellte kann nun über Wochen und Monate hinweg zwischen Zimmer 2 und 3 hin- und herwechseln. Viele wählen hier den Weg in die Resignation und gehen in den Keller!
  • Der Mitarbeiter der Firma „Neu“ wird zu einer Information eingeladen. Seine Vorgesetzten erklären, wie es zu den Veränderungen gekommen ist und welche Ziele die Unternehmensleitung verfolgt. Den Mitarbeitern wird das „4 Zimmer-Modell“ erklärt. Unserem Mitarbeiter ist jetzt klar, dass er sich entweder im Zimmer 2 oder 3 befindet. Vielleicht ist er auch in beiden gleichzeitig. Dank der klaren Ausrichtung auf eine positive Zukunft kann er die Tatsachen, die zu den Veränderungen geführt haben, akzeptieren. Er betritt das Zimmer 4. In diesem Beispiel wird der Veränderungsprozess der Firma „Neu“ professionell begleitet. Die Geschäftsleitung weiss, dass Veränderungen auf Ablehnung stossen. Auch weiss die Geschäftsleitung, dass zu viele Veränderungen in zu kurzer Zeit die Belegschaft unweigerlich in den Zimmern 2 und 3 festhalten werden. Das „4 Zimmer-Modell“ wird mit einfachen Beispielen erklärt. Den Mitarbeitern wird Verständnis entgegen gebracht und so wird ihnen die Möglichkeit, gegeben sich mit der neuen Situation auseinander zu setzen und die Veränderungen zu akzeptieren.

Zimmer 4: Erneuerung

Viele stehen jetzt scheinbar vor der Eingangstüre zum Raum 4. Doch es ist wie
verhext, sie finden den Eingang einfach nicht. Die Türe zum Zimmer 4 und damit in die ersehnte Erneuerung bleibt verborgen. Denn es gibt nur einen Weg, die Zimmer 2 und 3 zu verlassen: über die Akzeptanz. Über das „magische“ Wort „Ja“! Ja, zu den Zimmern 2 und 3. Ja, ich spiele nicht mehr am Computer und ja, ich langweile mich!

Ja, ich habe meinen Job verloren und ja, ich weiss nicht, wie es weiter gehen soll! Ja, die Zukunft ist ungewiss und die firmeninterne Reorganisation ängstigt mich. Mit einem tiefen und ehrlichen „Ja“ öffnet sich die Türe zur Zukunft und wir betreten das Zimmer der Erneuerung. Wir wittern Morgenluft und sehen einen Silberstreifen am Horizont. Das Zimmer 4 ist wie ein Zauber: Das Selbstbewusstsein kehrt zurück und das Leben ist wieder lebenswert. Zufriedenheit stellt sich wieder ein und wir befinden uns wieder im Zimmer 1.

Anwendungsbeispiele

Das „4 Zimmer-Modell“ ist keine umfassende Konfliktanalyse und keine
Konfliktlösungsstrategie. Das „4 Zimmer-Modell“ ist ein Hilfsmittel zur Selbst- und Fremdanalyse und ein Führungsinstrument. Es ist gleichzeitig so einfach, dass es beispielsweise von Schülerinnen und Schülern verstanden wird.

Stellen sie sich eine Schulklasse auf einer Wanderung vor. Die Lehrerin hat das Modell im Unterricht behandelt, die Schüler wissen Bescheid. Seit drei Stunden ist die Klasse zu Fuss unterwegs, die meisten wandern bei guter Laune. Einige allerdings sind im Widerstand zum Klassenausflug. Mit der einfachen und humorvollen Bemerkung der Lehrerin, „wollt ihr noch lange im Zimmer 2 verharren?“ wird den Beteiligten klar, dass sie Einfluss auf die eigene schlechte Laune nehmen können, in dem sie akzeptieren, dass die Wanderung in jedem Fall weitergeht.

Das „4 Zimmer-Modell“ ist ein Führungsinstrument für Kadermitarbeiter! Wenn
ein Vorgesetzter eine Extraleistung von seinem Team verlangt, weiss er um deren Reaktionen.  Er weiss, dass seine Mitarbeiter in jedem Fall mit leisem oder auch mit lautem Widerstand aus den Zimmer 2 und 3 heraus reagieren werden. Er wird sich aber nicht überraschen lassen und geeignete Massnahmen ergreifen, um seinen Mitarbeitern einen raschen Zimmerwechsel zu ermöglichen.

Das „4 Zimmer-Modell“ wird definitiv zu einem praktischen „Ding“, wenn Sie bei den nächsten Eheproblemen darum wissen, dass nur das grundlegende Akzeptieren der Situation in der sie sich befinden, Sie weiterbringen wird.

 

Jetzt kennen Sie das Modell der „4 Zimmer“. Wissen Sie, in welchem Zimmer
Sie sich befinden?

Autor

Thomas Nast, ehem. Journalist BR, ist heute Erwachsenenbildner mit eigener Unternehmung. Die „thomkomm.ch“ ist auf die Schulung von Kadermitarbeitern und die Durchführung von Seminaren zu Führungsthemen spezialisiert. Insbesondere widmet sie sich der Implementierung von firmeneigenen „Sprachen“.

Kontakt: www.thomkomm.ch / kontakt@thomkomm.ch

Umschrieben von Alfred Tschönhens und Elmar Bisseger, aus Armin Rohm (Hg.): Change-Tools, managerSeminare 2006, S. 73-82.

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