Autopoiesis

Veränderungen gestalten und lenken

"Die Theorie der Autopoiesis ermutigt uns, die Umgestaltung oder Evolution lebendiger Systeme als Ergebnis intern erzeugter Veränderung zu verstehen.[...] Es geht bei der Autopoiesis um die Art und Weise, wie das gesamte Interaktionssystem seine eigene Zukunft gestaltet."
(Gareth Morgan, Bilder der Organisation)

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Der Meta-Begriff der Autopoiesis (Selbstreproduktion) stellt eines der zentralen Elemente der Systemtheorie dar.
Systeme werden durch Autopoiesis erst fähig, autonom und damit lebendig zu sein. Alle sozialen Systeme können ihre Kommunikation und Verhalten nur aus sich selbst heraus ändern, wollen sie sich veränderten Umweltbedingungen anpassen.

Somit kann das Konzept der Autopoiesis auch Hinweise geben, wie Veränderungen durch neuformulierte Strategien zusammen mit untergeordneten Subsystemen umgesetzt werden können.
Aus den Überlegungen zum Konzept der Autopoiesis lassen sich so Grundsätze für Strategiekommunikation bei Veränderungsprozessen ableiten: zum Beispiel die Bedeutung der Sprache, der prozesshaften Vermittlung von Strategie und die Schaffung von Möglichkeiten zur Reflexion gehören dazu.
Darauf aufbauend können einzelne Methoden, wie beispielsweise Mitarbeiterbefragung oder Innovationsmanagement, Veränderungsprozesse besonders effektiv unterstützen.

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Theoretisches Konzept der Selbstreprodukion

Autopoiesis, auch Selbstreferenz oder Selbstreproduktion genannt (griech.: das Selbsttun), bezeichnet die Eigenschaft eines Systems, sich selbst zu reproduzieren. Die Autopoiesis dient der Selbsterhaltung und ständigen Erneuerung eines Systems.

  • Geprägt wurde der Begriff der Autopoiesis von H. Maturana und F. Varela, die diesen Ansatz in der Biologie beobachtet haben.
  • N. Luhmann hat das Konzept der Autopoiesis in seiner soziologischen Systemtheorie für die Sozialwissenschaften erschlossen.

Danach kann jedes soziale System nur existieren, wenn es autonom ist. Hierzu muss es fähig sein, seine Grenzen zur Umwelt selbst zu definieren und zu ziehen. Dadurch erhält es seine Autonomie aufrecht.
So wie jeder Mensch durch seine genetische Struktur sich einzigartig von seiner Umwelt abgrenzt, so hat auch eine Organisation als soziales System ihre eigenen Kommunikations- und Verhaltensregeln. Dadurch kann sich eine Organisation von ihrer Umwelt abgrenzen und (über)lebensfähig bleiben.

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Veränderung trotz Autonomie?

Die Umwelt zwingt soziale Systeme zu Veränderungen. Das Management von Unternehmen reagiert auf Veränderungen, indem es seine Strategie neu formuliert.
Nimmt man an, dass Unternehmen als große soziale Systeme aus vielen autonomen Subsystemen bestehen, soll geklärt werden, wie eine neue Strategie in neue Kommunikations- und Verhaltensformen umgesetzt werden kann.
Bei dieser Umsetzung nach dem Konzept der Autopoiesis sind zwei Annahmen zu beachten:

  • Das System ändert seine Kommunikations- und Reproduktionsmechanismen, wenn es Irritationen reflektieren und integrieren kann.
    Veränderungsprozesse führen zu Irritationen des Systems. Dieses muss erst lernen, wie es mit dieser Irritation umgeht, ohne Schaden zu nehmen. Denn nur das System selbst kann sein Verhalten dauerhaft umgestalten.
  • Soll das System erhalten bleiben, muss seine Autonomie beachtet werden.

Das Überleben eines Unternehmens hängt davon ab, wieweit es Bedrohungen von außen durch neue Strategien, Kommunikations- und Verhaltensmuster begegnen kann.
Auf dieser Überlegung basieren auch die Ideen der Lernenden Organisation und des Wissensmanagement:
Neue Strategien und Wissen müssen von allen Subsystemen verstanden - auch sprachlich - und umgesetzt werden. Diese Veränderungen müssen aus den Systemen heraus gestaltetet werden, wenn sie tatsächlich wirken sollen.

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Grundsätze und Methoden zu Veränderungen

Aus den Überlegungen zum Konzept der Autopoiesis lassen sich folgende Anregungen für Strategiekommunikation bei Veränderungsprozessen ableiten und darauf aufbauend einige Methoden zur Umsetzung formulieren.

Grundsätze

  • Neuerungen müssen sprachlich so gestaltet sein, dass sie von allen Mitarbeitern verstanden und reflektiert werden können.
    Nur wenn die Mitarbeiter Veränderungsprozesse verstehen und erkennen, werden sie einen neuen Standpunkt einnehmen können, der es ihnen erlaubt, eine Neuerung in ihrem bestehenden System zu verwirklichen.
  • Neue Strategien müssen den Mitarbeitern prozesshaft vermittelt werden und dürfen nicht als bloße Anweisung stehen gelassen werden.
  • Selbstreflexion muss angeregt werden. Selbstreflexion ist eine Voraussetzung für die Lernfähigkeit eines Unternehmens.
  • Die Autopoiesis muss auch beim Wissensmanagement beachtet werden.
    Wissen entsteht entweder im eigenen System, oder aber es wird außerhalb erworben. Für das interne Wissen ist die Perspektive älterer und langjähriger Mitarbeiter unverzichtbar. Es ist also von Vorteil, sich dieses Wissen zu sichern.

Methoden

  • Mitarbeiterbefragungen sind wichtig zur Standortklärung und Reflexion. Sie stellen eine Anerkennung der Subsysteme dar.
  • Vielfältige und von den Subsystemen mit getragene Informationskanäle helfen Orientierung zu schaffen.
  • Durch paradoxe Intervention werden Akteure irritiert und zur Reflexion angeregt.
  • Schaffung von Freiräumen zur Reflexion alten und neu erworbenen Verhaltens, z.B. Workshops, Tagungen, Foren.
  • Ein betriebliches Vorschlagswesen hilft, Veränderungswünsche zu kommunizieren.
  • Innovationsmanagement regelt die Neuaufnahme externen Wissens.

Links und Literatur

Eine wissenschaftliche Hinführung zum Thema Autopoiesis und Systemtheorie stellt ein Abstract von Helmut Willke (1997) dar:
http://www.uni-koblenz.de/~woch/abstracts/willke-systemtheorie-91.html

Luhmann, N. (1996): Soziale Systeme. Frankfurt a.M. 6. Aufl.
Morgan, G. (1997): Bilder der Organisation. Stuttgart

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