Basel II

Von Basel I zu Basel II

"Jeder Unternehmer stellt sich heute die Frage, wie er bei all den Veränderungen - und Basel II ist nur ein Schlagwort dafür - seine zukünftigen Geschäftsaktivitäten finanzieren kann. ..., weil die wichtigste Finanzierungsform für den deutschen Mittelstand nach wie wor der klassische Bankkredit ist."
Dr. Werner Müller, Bundesminister für Wirtschaft und Technologie. Aus seiner Rede anlässlich des 2. Mittelstandsforums des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes am 13. März 2002 in Berlin.

Kaum ein Thema wird derzeit in Fachkreisen kontroverser diskutiert als die "Neue Basler Eigenkapitalvereinbarung”, besser bekannt unter dem Namen "Basel II”. Auffällig an dieser Diskussion sind zweierlei Dinge:

  1. In Politik und Wirtschaft werden überwiegend die (angeblichen?) negativen Folgen vor allem für den deutschen Mittelstand in den Vordergrund gestellt. Zweifellos stellt Basel II sowohl die Kreditinstitute als auch die Unternehmen vor große Herausforderungen, man sollte dabei allerdings nicht die sich bietenden Chancen außer Acht lassen.
  2. Auch wenn die Diskussion mittlerweile ins vierte Jahr geht, ist vielen Betroffenen nicht genau klar, worum es im Detail eigentlich geht. Eine transparente Darstellung des Themas ist sicherlich wünschenwert.

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1989 wurde der "Basler Eigenkapitalakkord” (nun Basel I genannt) verabschiedet, der als Grundlage für die EG-Eigenmittelrichtlinien dient. Die haftenden Eigenmittel wurden definiert. Die Idee war, einheitliche Aufsichtsnormen in der EG einzuführen, damit Geschäfte nicht dort abgewickelt werden, wo die geringsten Kontrollen stattfinden. (vgl. Literaturliste: Auf dem Weg zu Basel II, S.7) und es eine einheitliche Begrenzung der Risiken gibt.
Die sich ständig ändernden Finanzmärkte mit immer neuen Finanzprodukten machten es der Bankenaufsicht unmöglich, ihre Normen regelmäßig anzupassen. Statt quantitativer Vorschriften sollen deshalb nun qualitative Richtlinien in Kraft treten, so dass weitere Anpassungen entfallen und Banken weiterhin innovative Produkte entwickeln können. Die mittlerweile vom Basler Bankenausschuss erarbeiteten Ergänzungen fließen in Basel II ein, das den Eigenkapitalakkord umgestaltet.

In mehreren Konsultationsphasen werden Vorschläge der Kreditwirtschaft eingearbeitet. Oktober 2003 soll Basel II endgültig verabschiedet werden, frühestens 2006 ist das Inkrafttreten von Basel II geplant.
Basel II ist zunächst nur für international tätige Banken (major banks) verbindlich. Die Umsetzung von Basel II für alle Banken wird zeitnah über eine Richtlinie der Europäischen Union erfolgen. Diese muss dann noch von den jeweiligen Regierungen in nationales Recht umgesetzt werden.

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Ziele von Basel II

Folgende Ziele werden mit Basel II verfolgt:

  • Förderung von Sicherheit und Solidität des Finanzsektors
  • ein einheitliches Vorgehen für Banken unterschiedlicher Größe und Geschäftsstruktur
  • umfassendere und risikoadäquatere Erfassung der Bankrisiken
  • gleiche Wettbewerbsbedingungen

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Die drei Säulen von Basel II

Erreicht werden sollen diese Ziele durch Anwendung der sogenannten drei Säulen (wobei in der Öffentlichkeit hauptsächlich die erste Säule diskutiert wird).

Säule 1: Mindesteigenkapitalanforderungen (quantitative Eigenkapitalanforderungen)
Eine umfassende Erfassung und genauere Quantifizierung aller wesentlichen Bankrisiken ist das Ziel, d.h.:

  • deutlich differenziertere Ansätze zur Messung von Kreditrisiken,
  • neu: operationelle Risiken werden durch quantitative Vorschriften begrenzt.

Säule 2: Bankenaufsichtlicher Überprüfungsprozess

  • bankenkaufsichtliche Analyse der spezifischen Risikosituation einer Bank
  • mehr qualitative (statt quantitative) Bankenaufsicht

Säule 3: Marktdisziplin

  • Erweiterung der Offenlegungspflichten
  • Erhöhung der Transparenz über die Risikoposition einer Bank

Säule 1: Mindesteigen-Kapitalanforderungen

Mit Basel II soll die heute gültige pauschale Unterlegungspflicht für Risikoaktiva zugunsten einer risikoadäquateren Anrechnung ersetzt werden. Engagements mit höherem Risiko erfordern in Zukunft auch eine höhere Eigenkapitalunterlegung, was individuellere Zinssätze für Kreditnehmer nach sich zieht. Zu diesem Zweck ist es erforderlich, dass die Banken ihre Engagements bzw. die jeweiligen Kreditnehmer nach ihrer Bonität bewerten.
Grundsätzlich stehen den Kreditinstituten zwei Alternativen zur Verfügung:

  • Der Standardansatz und
  • der sogenannte IRB-Ansatz (Internal Ratings Based Approach).

Der Standardansatz stellt dabei lediglich eine Weiterentwicklung des bisherigen alten Verfahrens dar. Neu ist hingegen, dass zur Risikobeurteilung externe Ratings anerkannter Agenturen (z.B. Standards & Poors, Moodys, etc.) verwendet werden können.

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Ein Kreditnehmer mit einen guten Rating, d.h. einer guten Bonität erhält ein niedriges Risikogewicht und muss demzufolge mit weniger Eigenkapital unterlegt werden, so dass sich die Kreditkonditionen für ihn verbessern können. Umgekehrt wird sich bei einem schlechten Rating die Eigenkapitalunterlegung erhöhen, was einen höheren Zinssatz erwarten läßt. Problematisch am Standardansatz ist die Tatsache, dass in Europa, anders als in den USA, nur wenige Unternehmen extern geratet sind. Insbesondere im Mittelstand scheitert ein Rating häufig an den erheblichen Kosten für eine Erstellung.

Aus diesem Grund haben die Banken die Möglichkeit, im Rahmen des IRB-Ansatzes ein gleichberechtigtes internes Rating zu erstellen. Hierzu werden in Abhängigkeit von der Art des Kreditnehmers (Privatkunde, Unternehmen, Banken etc.) unterschiedlich viele Fragen von dem Kreditnehmer zu beantworten sein. Auf diesem Wege versuchen die Banken, eigene Aussagen über die Ausfallwahrscheinlichkeit der Kreditnehmer zu erhalten. Abhängig von der jeweiligen Ausfallwahrscheinlichkeit ermitteln die Banken dann die erforderliche Eigenkapitalunterlegung.

So haben z.B. der Deutsche Sparkassenverband wie auch der Bankverlag als Zusammenschluss deutscher Banken ein internes Ratingsystem entwickelt, an dem sich die deutschen Geldinstitute beteiligen.

Darüber hinaus werden die Sicherheiten bei der Kreditgewährung stärker berücksichtigt, unterliegen aber dann auch einer stärkeren Kontrolle. Dies bedeutet, dass sowohl die Sicherheiten periodisch neu bewertet werden müssen, als auch die differenzierten gesetzlichen Abschläge (haircuts) berücksichtigt werden.

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Vorteile von Basel II

Entgegen der vielfach geäußerten Befürchtung, Kredite werden durch Basel II grundsätzlich verknappt, bleibt also festzuhalten, dass es durch Basel II lediglich zu einer größeren Spreizung der Kreditzinssätze kommen wird: Gute Kreditnehmer erhalten sogar bessere Konditionen und müssen nicht wie bisher durch die pauschale Anrechnung die schlechteren Kreditnehmer subventionieren. Damit wird eine risikogerechte Zuordnung vorgenommen.
Als weiterer Vorteil von Basel II ist die Chance einer verbesserten Zusammenarbeit zwischen Banken und Kreditnehmern zu sehen. Durch die verbesserte Transparenz können die Banken mögliche Schieflagen früher erkennen , um gemeinsam mit dem Kunden geeignete Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Operationelles Risiko

Neben dem Kreditrisiko soll durch Basel II in Zukunft auch das operationelle Risiko (Rechtsrisiken, technisches Versagen, menschliches Fehlverhalten usw.) mit Eigenkapital unterlegt werden. Bislang werden die operationellen Risiken nur implizit dadurch erfasst, dass eine Eigenkapitalunterlegung für das Kreditrisiko mit 8% als zu hoch angesehen wird.
Auch beim operationellen Risiko sollen die Banken wieder die Möglichkeit haben, zwischen unterschiedlichen Berechnungsmethoden zu wählen. Die Methoden zeichnen sich durch eine zunehmende Risikosensitivität bei gleichzeitig abnehmender Eigenkapitalbelastung aus.

Bei der Messung des operationellen Risikos sind allerdings noch einige Hürden zu überwinden: So hat sich bislang noch kein anerkannter Standard zur Messung entwickeln können. Wegen derartiger Probleme wird zur Zeit diskutiert, zunächst nur einen Basisansatz zuzulassen, mit dem allerdings nur auf sehr pauschaler Ebene das Risiko bewertet werden kann. Beim Thema operationelles Risiko sind also noch sehr viele Fragen offen.

Säule 2: Bankenaufsichtlicher Überprüfungsprozess

Statt der heute verwendeten überwiegend quantitativen Aufsicht mit Hilfe diverser Kennzahlen soll die Aufsicht in Zukunft mehr auf qualitative Normen fokussiert werden.
Zu diesem Zweck wurden vom Basler Komitee vier zentrale Grundsätze für die Überprüfung aufgestellt:

  1. Banken sollten ein Verfahren zur Beurteilung ihrer angemessenen Eigenkapitalausstattung im Verhältnis zu ihrem Risikoprofil sowie eine Strategie für den Erhalt ihres Eigenkapitalniveaus aufweisen.
  2. Die bankinternen Steuerungssysteme zur Beurteilung und Messung von Risiken sollen der Aufsichtsbehörde offengelegt werden. Die Aufsichtsbehörde bewertet außerdem die Fähigkeit der Banken, ihre aufsichtsrechtlichen Eigenkapitalanforderungen zu überwachen und deren Einhaltung sicherzustellen. Stellen die Aufsichtsinstanzen kein ausreichendes Eigenkapital fest, sollen sie die Bank anhalten, entweder ihr Risiko zu verringern und/oder einen definierten Betrag an Eigenkapital einzuschießen.
  3. Die Aufsichtsinstanzen sollten von den Banken erwarten, dass sie eine höhere Eigenkapitalausstattung als das aufsichtsrechtlich geforderte Mindesteigenkapital vorhalten, und die Aufsichtsinstanzen sollten die Möglichkeit haben, von den Banken eine höhere als die Mindesteigenkapitalausstattung zu fordern.
  4. Die Aufsichtsinstanzen sollen frühzeitig eingreifen, um zu verhindern, dass das Eigenkapital unter die geforderte Mindestausstattung fällt, die aufgrund des Risikoprofils einer bestimmten Bank notwendig ist. Sie sollen schnelle Abhilfe fordern, wenn das Eigenkapital nicht erhalten oder nicht wieder ersetzt wird.

Säule 3: Marktdisziplin

Neben der qualitativen Aufsicht durch die jeweilige nationale Behörde fördert die erhöhte Markttransparenz die Einhaltung einer gesunden Eigenkapitalausstattung.

Mit Hilfe erweiterter Offenlegungsanforderungen sollen zwischen den Banken für eine erhöhte Transparenz gesorgt werden. Durch den entstehenden Marktdruck und Wettbewerb unter den Banken werden die Banken schon aus Eigeninitiative für eine angemessene Risikostruktur und Risikovergütung / Kreditkonditionen sorgen.

Eine Bank muss informieren über (Qualitative Anforderungen - Offenbarungsanforderungen):

  • ihre globale Strategie und ihr Verfahren für die Verwaltung von Sicherheiten, insbesondere die Überwachung der Wertentwicklung der Sicherheiten
  • die wichtigsten internen Grundsätze für die Anrechnung von Besicherungen, zum Beispiel das Verhältnis der zugrundeliegenden Forderung zur Besicherung (d.h. die Beleihungsquote) sowie Laufzeiteninkongruenzen (siehe nächste Folie);
  • ihre Strategie und Verfahren für die Überwachung der Bonität von Sicherungsgebern (= Rating) und die Verwaltung von Garantien und Kreditderivaten, wie für besicherte Geschäfte erforderlich.

Fazit

Bisher subventionierten Kunden mit hoher Kreditqualität Kunden mit schwacher Kreditbonität. Grundsätzlich sind die Bestimmungen von Basel II zu befürworten. Mit den vorliegenden Regelungen sollte es gelingen, die "Stabilität und Solidität des Finanzsektors” zu verbessern.

Nicht zu unterschätzen sind allerdings die noch zu lösenden Probleme. Die größte Herausforderung dürfte dabei eine Anpassung der Regelungen für die jeweiligen Banken sein. Ursprünglich war vorgesehen, Basel II nur für "international tätige Banken” (in Deutschland: 19) verbindlich vorzuschreiben. Mittlerweile sollen die Regelungen jedoch auf alle Banken angewendet werden, damit nicht zuletzt auch der deutsche Mittelstand von den Veränderungen profitieren kann. Es werden bis zur endgültigen Verabschiedung von Basel II in den nächsten zwei Jahren also noch viele weitere Diskussionen zu führen sein.

Zur Erfüllung der Anforderungen müssen jedoch die Geldinstitute, die das interne Rating nutzen, heute schon ihre Datenbestände aufbauen, damit der Stichprobenumfang zur Berechnung der Ausfallwahrscheinlichkeiten repräsentativ ist.
Die Sparkassen-Finanzgruppe hat Thesen zur Umsetzung formuliert (zitiert nach "Auf dem Weg zu Basel II, S. 103), u.a.:

  • Die Fokussierung auf das Rating reicht nicht aus.
  • Mit Unsicherheiten muss man leben. Warten, bis die Regelungen "sicher” scheinen ist gefährlich und töricht.
  • Das Rating kann man erst durch Praxiseinsatz fein "tunen” Ein einmal entwickeltes Rating muss also möglichst rasch im praktischen Einsatz getestet und validitiert werden. Es ist sinnlos, aus alten Datenbeständen weitere kleinste Optimierungen vorzunehmen.

Links und Literatur

Dieser Artikel wurde in Zusammenarbeit mit Alldata Systems GmbH, Stuttgart erstellt.

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