E-Government

Von der Verwaltung zum kundenorientierten Dienstleister

"E-Government heißt Verwaltungen in kundenorientierte Dienstleister zu transformieren", bringt Paul A. Stodden, Vorstandsvorsitzender von Siemens Business Services GmbH & Co. OHG, die Zielsetzungen auf den Punkt.
Die öffentliche Verwaltung steht zur Zeit vor großen Herausforderungen: Auf der einen Seite besteht ein enormer Sparzwang bis hin zu Haushaltsperren, auf der anderen Seite wird immer mehr Bürger- und Kundenorientierung gefordert. E-Government lautet hier das Lösungswort, das schon seit einiger Zeit in aller Munde ist.

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Nach der Definition der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften ist

  • "E-Government die Abwicklung geschäftlicher Prozesse im Zusammenhang mit Regieren und Verwalten (Government) mit Hilfe von Informations- und Kommunikationstechniken über elektronische Medien."

Electronic Government meint allerdings nicht nur die IT-Unterstützung der Verwaltungsabläufe, sondern auch den gezielten Einsatz des Internet und in der Folge neue Dienstleistungsprozesse.

Vorteile für jedermann

E-Government bringt jedem etwas:

  • Für Bürger soll die Dienstleistungsqualität verbessert und der Informationszugang vereinfacht werden. Zudem lässt das Potenzial der verstärkten Partizipation und der digitalen Demokratie so manche Aktivitäten entstehen.
  • Der Wirtschaft soll das virtuelle Rathaus eine Verbesserung des Standortmarketings, eine Stärkung im Standortwettbewerb und eine Intensivierung von Unternehmensnetzwerken bringen.

Zudem beschleunigen Online-Marktplätze und elektronische Ausschreibungen die Auftragsprozesse sowohl für die Unternehmen als auch für die Behörden. Und nicht zuletzt die Behörden selbst profitieren von der Verbesserung der Kommunikation mit Politik, Wirtschaft und Bürgern, von der besseren Erreichbarkeit und Imagesteigerung.

In Zeiten leerer öffentlichen Kassen sind vor allem die sich ergebenden Einsparpotenziale von großer Bedeutung. So will alleine der Bund ab dem Jahr 2006 Einsparungen von jährlich 400 Mio. Euro erzielen.

Bei einem Investitionsvolumen von insgesamt 1,45 Mrd. Euro in die im Rahmen von "Bund Online" realisierten E-Government-Angebote würde sich dieses Projekt bereits nach wenigen Jahren rechnen und somit zu deutlich niedrigeren Verwaltungskosten beitragen.

Nach Schätzung der im Jahr 2000 im Bundesinnenministerium ins Leben gerufenen "Stabsstelle Moderner Staat – Moderne Verwaltung" könnten die Verwaltungen insgesamt bis zu 15 Milliarden Euro sparen, wenn es gelänge, nur die Hälfte der Beschaffungsvorgänge elektronisch abzuwickeln.

Bestehende Online-Angebote größtenteils noch sehr mager

Bislang beschränkt sich ein Großteil der Online-Aktivitäten vieler Behörden und Verwaltungen allerdings auf passive Informationsangebote rund um Adressen, Öffnungszeiten oder Tourismus.

Doch E-Government kann und muss mehr leisten. Elektronische Interaktion zwischen den Beteiligten ist erforderlich: Transaktionen wie das Ausfüllen und der Austausch von Online-Formularen mit Plausibilitätsprüfungen oder elektronische Steuererklärungen sind nur ein Anfang.

Denn erst wenn neben der Information auch die Interaktion und Transaktion zwischen Bürgern und Verwaltung auf Basis einer durchgängigen Dienstleistungskette verwirklicht sind, können die notwendigen Einsparungen erzielt und die Nutzwerte für alle Beteiligten deutlich erhöht werden.

Vertrauen und Sicherheit sind Voraussetzung

"Für eine breite Aktzeptanz von E-Government bei Bürgern und Wirtschaft ist vor allem Vertrauen in die elektronischen Services notwendig", erläutert Wendelin Weidinger, Business Developer der Geschäftseinheit Public Services bei Siemens Business Services, dem führenden europäischen IT-Dienstleister im Bereich öffentliche Verwaltungen. "Dies setzt ein funktionierendes Sicherheitssystem voraus, das sowohl technische als auch organisatorische Maßnahmen umfasst und auf sicheren Infrastrukturen basiert".

Die technische Grundlage für ein sicheres, transaktionsorientiertes E-Government ist die sogenannte digitale Signatur, eine Art elekt

In der Regel kommen heute elektronische Signaturen mit asymmetrischer Verschlüsselung zum Einsatz, die eine rechtsverbindliche Unterzeichnung von elektronischen Dokumente ermöglichen. Dadurch kann der Absender der elektronischen Nachricht für den Inhalt genauso verantwortlich gemacht werden, wie bei einem von Hand unterschriebenen Dokument (Verbindlichkeit).
Zudem wird die Authentizität und Integrität sichergestellt, so dass der Absender eindeutig identifiziert und eine Manipulation der Nachricht auf dem Weg durch das Internet ausgeschlossen werden kann. Die inhaltlichen und die organisatorischen Voraussetzungen zur Gestaltung und Nutzung elektronischer Signaturen werden im "Gesetz über Rahmenbedingungen für elektronische Signaturen und zur Änderung weiterer Vorschriften" geregelt.

Die prinzipielle Funktionsweise der digitalen Signatur mit asymmetrischer Verschlüsselung ist relativ einfach. Der Autor eines elektronischen Dokuments besitzt ein Schlüsselpaar eines asymmetrischen Verschlüsselungsalgorithmus. Dieses besteht aus dem privaten Schlüssel, den nur der Autor besitzt und mit dem die Dokumente signiert werden.

Der öffentliche Schlüssel kann an beliebig viele andere Personen verteilt werden und überprüft die Echtheit der Signatur und die Unversehrtheit des Dokuments. Der private Schlüssel ist dabei stets geheim zu halten. Nicht einmal der Besitzer sollte ihn kennen – er darf ihn lediglich anwenden. Der sicherste Weg, diesen privaten Schlüssel aufzubewahren und anzuwenden ist die Speicherung auf einer Smart Card. Durch in Endgeräte eingebaute Smart Card-Lesegeräte kann der private Schlüssel dann sehr komfortabel zur Signatur verwendet werden. Für die Anwendung des Private Keys ist die Eingabe einer PIN notwendig.

Fehlende Ressourcen bremsen Entwicklung

E-Government schreitet voran – keine Frage.
Dies belegen zahlreiche Studien von Marktforschungsunternehmen wie Cap Gemini Ernst & Young oder auch der europäischen Union. Doch vor allem fehlende Ressourcen finanzieller und personeller Art sowie ungeklärte rechtliche Rahmenbedingungen bremsen die Entwicklung. Problematisch ist der personelle Engpass, da die öffentliche Tarifbindung die Anwerbung qualifizierter Fachkräfte verhindert. In der freien Wirtschaft verdienen IT-Spezialisten deutlich besser.

Das größte Hindernis aber ist wohl die angespannte Finanzlage der öffentlichen Einrichtungen, die den Kommunen zunehmend eine Reduzierung oder gar den Verzicht auf Leistungen nahe legt. Dies steht aber im krassen Widerspruch zu den berechtigten Ansprüchen der Bürger auf umfassende und schnelle Dienstleistungen.

Daraus erwächst ein zunehmender Handlungsdruck zur Rationalisierung und Reorganisation, zur Einführung neuer betriebswirtschaftlicher Instrumente und zum verbesserten Einsatz von Informationstechnik.
E-Government bietet hier eine umfassende Chance zur Neuorientierung, damit die öffentliche Hand Bürgern und Unternehmen wieder optimal dienen kann.

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Begriffsabgrenzung

E-Administration

Beinhaltet alle elektronische Dienstleistungen, welche die Abwicklung einer Verwaltungsaktion betreffen, wie zum Beispiel E-Vote oder E-Census, die elektronische Volkzählung oder E-Taxes, die elektronische Steuererklärung per Elster Formular.

E-Assistance

Die umfasst die elektronischen Dienstleistungen, welche zur Unterstützung der allgemeinen Lebensgestaltung dienen, d.h. allgemeine Fragen bzw. Informationen können hier abgerufen werden, wie zum Beispiel Öffnungszeiten, Zuständigkeiten der Behörden aber auch Werbemittel in kommuneneigener Sache, Beispiel Tourismus. Dabei werden die öffentlichen Leistungen über regionale oder nationale Portale abgegeben. Man spricht auch von Electronic Public Services (E-PS).

E-Business

Es handelt sich bei E-Government und E-Business um ein gleichwertiges Konzept, basieren jedoch auf unterschiedlichen Geschäftsmodellen. E-Business umfasst die elektronischer Abwicklungen administrativer und betriebswirtschaftlicher Geschäftsprozesse. E-Business umfasst als Bestandteil der IT-Strategie die Teilstrategien für E-Commerce, E-Procurement und E-Organization.

E-Commerce

"E-Commerce ist eine Chance für unser Unternehmen." Dieser Meinung sind zwei Drittel aller kleinen und mittleren Unternehmen, die im Rahmen einer Studie von TechConsult befragt wurden. Kein Wunder also, dass beinahe genau so viele, nämlich 62%, mit einer Homepage im Internet vertreten sind. Doch was genau erwarten all diese Unternehmen von der Chance E-Commerce und welche unternehmerischen Aufgaben lassen sich mittels E-Commerce effizient bewältigen?

E-Democracy / Electronic Democratization

Unter diesen Begriff werden alle elektronischen Dienstleistungen, die die demokratischen Kommunikations- und Beteiligungsstrukturen unterstützen, verstanden. E-Government ist ein Schritt durch einfache Formen wie E-Mail und Internet die Politikverdrossenheit abzubauen und die Interaktion Bürger und Verwaltung / Staat zu fördern. Der demokratische Prozess, weit hin als sehr starr wahrgenommen, soll belebt werden.

E-Europe

1999 wurde die Initiative eEurope von der Europäischen Kommission ins Leben gerufen, um den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien – unter anderem auch eGovernment - in Europa zu fördern.

E-Governance

Unabhängig ob staatlich oder privat: Innerhalb der heutigen Informationsgesellschaft müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, um die vorgegebenen Denkrichtung oder Strategie zielgerichtet umsetzen zu können. E-Governance hat genau das zur Aufgabe: Die Entwicklungen und Anforderungen der Gesellschaft mit der Umwelt in verträgliche Bahnen zu lenken. Der Einfluss des Staates und damit die politische Stoßrichtung im Bereich der IKT - Informations- und Kommunikationstechnologie wird dann innerhalb des E-Governance als E-Policy bezeichnet.

E-Organization

Dies umfasst die Bereitstellung, Organisation und Abbildung von Wissen in elektronischer Form, um so mit Hilfe eines Wissensmanagments die interne Kommunikation der Behörden zu unterstützen. Das CEOBS (Center for E-Organization in Business and Society) definiert E-Organization folgendermaßen: "E-Organization bezeichnet dabei durch den Einsatz neuer IuK-Technologien (insb. des Internets) möglich gewordene Koordinationsphänomene in modernen Gesellschaften. Das Forschungsfeld widmet sich grundlegenden Organisationsherausforderungen und –phänomenen im Kontext der Internet-Durchdringung von wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebensbereichen." (Quelle: www.uni-oldenburg.de/)

Government to

  • Business (G2B): Beziehungen zwischen Staat und Privatwirtschaft (als Konsumenten, Geschäftspartner etc.).
  • Citizen (G2Z): Beziehungen zwischen Staat und Bürger, bei denen der Bürger als Souverän gegenüber dem Staat auftritt.
  • Consumer (G2C): Beziehungen zwischen Staat und Bürger, bei denen der Staat die Hoheit gegenüber dem Bürger hat.
  • Government (G2G): Alle Beziehungen, intern und extern, zwischen Amtsstellen.
  • Organization (G2O): Beziehungen zwischen Bund, Ländern und Gemeinden einerseits und den privatwirtschaftlichen Partnern und öffentlich-rechtlichen Organisationen andererseits.

New Public Management (NPM)

Hierbei handelt es sich um einen Denkansatz für eine neue Managementphilosophie, welche Politik und Verwaltung stärker nach privatwirtschaftlichen Managementtechniken, unternehmerischen Erfolgsprinzipien und marktwirtschaftlichen Steuerungsmechanismen ausrichten will. NPM bildet einen Orientierungsrahmen für eine jeweils individuelle Reformkonzeption einer Verwaltung. E-Government kann hierbei als Ergänzung oder Erweiterung bzw. zusätzlicher Unterstützung zur Erreichung der angestrebten Ziele dienen.

Links und Literatur

Dieser Artikel wurde in Zusammenarbeit Jens Verstaen, freier Journalist erarbeitet.

 

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