Emotionale Intelligenz

Professioneller Umgang mit Gefühlen

"Der Begriff der emotionalen Intelligenz bezieht sich vor allem auf jene Momente gefühlsmäßigen Handelns, die wir später bereuen, wenn sich die Aufregung gelegt hat; die Frage ist dann, weshalb wir so unvernünftig haben handeln können."
Daniel Goleman, Emotionale Intelligenz, München, 1997 (S.65)

Emotionale Intelligenz setzt seinen Fokus auf die Betrachtung der Gefühlswelt und versucht die Beziehung zwischen den Fähigkeiten Selbstwahrnehmung, Selbstbeherrschung, Empathie (Einfühlungsvermögen) und sozialer Kompetenz herauszustellen.

Von der fachlichen zur emotionalen Kompetenz?

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Am beruflichen Erfolg sind neben der Fachkompetenz und dem entsprechenden IQ einer Person zweifelsfrei weitere Kompetenzen beteiligt - sei es, um bewusst mit Unsicherheit im Entscheidungsfall umgehen oder sich in die Kultur eines Unternehmens integrieren zu können.

Diese Erkenntnis griff u.a. Gardner (1991) auf, der den herkömmlichen Intelligenzbegriff als psychologisches Konstrukt mit der Forderung nach einem System multipler Intelligenzen kritisierte. Daniel Goleman (1996) nahm die Anregungen aus der Diskussion um den Intelligenzbegriff sowie die neusten Erkenntnisse aus der psychologischen Forschung auf und entwickelte sein Modell der ?Emotionalen Intelligenz?.

Unter dem Oberbegriff ?emotionale Intelligenz?werden Fähigkeiten und Kompetenzen wie z.B. Mitgefühl, Kommunikationsfähigkeit, Konfliktfähigkeit, Menschlichkeit, Takt u.ä. untersucht und ergeben in ihrer Gesamtschau die Basis des EQ - Emotionsquotient.

In seinem Buch ?EQ² - Der Erfolgsquotient?führt Goleman eine Vielzahl von Belegen an, in der er der ?emotionalen Intelligenz?eine herausragende Rolle für den beruflichen Erfolg und den Erfolg von Organisationen attestiert.

Auf der Grundlage von Profil-Analysen in 500 Unternehmen kommt Golemann zu der Aussage, dass emotionale Intelligenz doppelt so wichtig ist für den beruflichen Erfolg wie der Intelligenzquotient plus dem Fachwissen. Der direkte Vergleich der Spitzen- mit den Durchschnittsmanagern ergab, dass die Unterschiede in den Personenprofilen zu 90% auf Faktoren emotionaler Intelligenz zurückzuführen sind und nicht auf das kognitiven Wissen.

Kernstück des Goleman'schen Verfahrens zur Ermittlung emotionaler Intelligenz ist die Einteilung der qualitativen Merkmale in fünf Ebenen.

Die fünf Dimensionen emotionaler Intelligenz

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Die eigenen Emotionen kennen

Durch Selbstwahrnehmung im Stande sein, die eigenen inneren Zustände, Ressourcen und Intuitionen zu erkennen. Zu dieser inneren Selbstreflexion gehört:

  • Sich über seine Gefühle Klarheit zu verschaffen sowie deren Auswirkungen auf das eigene Verhalten zu kennen, d.h. ein emotionales Bewusstsein zu entwickeln.

  • Sich seiner Stärken und Schwächen bewusst zu werden und die eigenen Grenzen zu erfahren, d.h. eine subjektive, zutreffende Selbsteinschätzung vorzunehmen.

  • Ein Gespür für die eigenen Wertigkeit zu bekommen und darüber ein positive Einstellung zu den eigenen Fähigkeiten zu erhalten, d.h. sein Selbstvertrauen zu entwickeln.

  • Essenziell ist unter diesem Punkt die realistische Einschätzung der eigenen Persönlichkeit, also das Erkennen und Verstehen der eigenen Gefühle, Bedürfnisse, Motive und dem Bewusstsein der persönlichen Stärken und Schwächen.

Emotionen handhaben

Durch Selbstregulierung seine inneren Zustände, Impulse und Ressourcen handhaben. Dieser Bereich baut quasi auf dem vorherigen auf, denn ohne Selbsterkenntnis ist keine bewusste Regulierung der eigenen Emotionen möglich. Hierzu gilt es seine Gefühlswelt zu hinterfragen und zu lernen:

  • Durch Selbstkontrolle mit störende Emotionen und Impulse umzugehen.
  • Sich selbst und anderen gegenüber Vertrauenswürdigkeit zu demonstrieren, indem man sich an Aufrichtigkeit und Integrität orientiert.
  • Bereit zu sein Verantwortung für seine eigenen Leistungen zu übernehmen und somit Gewissenhaftigkeit präsentiert.
  • Vor dem Hintergrund der permanenten Veränderungen um sich herum die eigene Anpassungsfähigkeit zu prüfen.
  • Innovation als Chance zu begreifen und sich in die Lage versetzen neue Ideen, Methoden und Informationen bereitwillig aufzunehmen.
  • Ziel der Selbstregulierung ist es Gefühlen und Stimmungen nicht mehr ausgeliefert zu sein, sondern sich zu befähigen diese konstruktiv zu beeinflussen.

Emotionen in die Tat umsetzen

Durch Motivation sich selbst und anderen das Erreichen von Zielen erleichtern. Dieses wird möglich, indem Emotionen in den Dienst der Zielerreichung gestellt werden, so dass über emotionale Selbstbeherrschung ein ?fließender? Zustand optimaler Leistungsbereitschaft erreicht wird. Motivation wird charakterisiert durch:

  • Leistungsdrang. Dabei wird unterstellt, dass man den eigenen hohen Anspruch an eine Leistung erfüllt bzw. versucht ihn zu übertreffen.
  • Engagement. Hier geht es darum, sich Ziele anderer zu eigen zu machen.
  • Initiative. Signalisiert die Bereitschaft, Chance zu ergreifen.
  • Optimismus. Bezieht sich auf die Fähigkeit, trotz Widrigkeiten sein Ziel beharrlich zu verfolgen.
  • Motivieren heißt, aus sich selbst heraus jederzeit Leistungsbereitschaft und Begeisterungsfähigkeit entwickeln zu können, um sich und andere in schwierigen Situationen, Phasen zum Weitermachen zu bewegen.

Empathie

Bezeichnet die Fähigkeit Gefühle, Bedürfnisse und Sorgen anderer wahrzunehmen. Hierzu lassen sich folgende Merkmale nennen:

  • Andere verstehen, d.h. die Gefühle und Sichtweisen andrer erfassen und an ihren Sorgen aktiv Anteil nehmen.
  • Andere entwickeln, d.h. die Entwicklungsbedürfnisse anderer erfassen und ihre Fähigkeiten fördern.
  • Serviceorientierung, d.h. die Bedürfnisse der Kunden vorwegnehmen, erkennen und befriedigen.
  • Vielfalt nutzen, heißt die durch die Verschiedenheit der Menschen entstehenden Chancen nutzen.
  • Organisationspolitisches Bewusstsein, d.h. die emotionalen Strömungen und Machtbeziehungen in einer Gruppe erfassen.
  • Empathie setzt die Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung und die Wahrnehmung anderer voraus. Es geht darum, den Gegenüber als Ganzes wahrzunehmen und zu verstehen. Dazu bedarf es die Fähigkeit sowohl verbale als auch nonverbale Signale und Zeichen anderer zu verstehen und deuten zu können.

Umgang mit Beziehungen

Hier sind die sozialen Fähigkeiten, Kompetenzen gemeint, mit deren Einsatz gewünschte Reaktionen in anderen hervorgerufen werden. Darunter fallen:

  • Einfluss, d.h. sich wirksamer Mittel der Beeinflussung bedienen.
  • Kommunikation, denn im Gespräch mit anderen zeigt sich inwieweit jemand zuhören kann und wie Botschaften vermittelt werden können.
  • Konfliktbewältigung, inwieweit Kompetenzen zur Beilegung von Meinungsverschiedenheiten vorhanden sind.
  • Leadership/Führung, die Fähigkeit Einzelne und Gruppen zu inspirieren und zu lenken.
  • Katalysator des Wandels, aus dem eigenen Innovations- und Motivationspool heraus Wandel zu initiieren und steuern.
  • Bindungen aufbauen, d.h. in der Lage sein nützliche Beziehungen zu anderen zu pflegen.
  • Zusammenarbeit/Teamfähigkeit, mit anderen für gemeinsame Ziele zu arbeiten und die Gemeinsamkeit erlebbar machen.
  • Vorraussetzung für soziale Kompetenz sind ein genügend hohes Maß an Selbstregulierung und Empathie, die als Grundlage der Menschenkenntnis zu betrachten sind. Denn wer hier Defizite aufweist, wird weniger gut in der sozialen Umwelt zurechtkommen und immer wieder in Konfliktsituationen gelangen. Von daher ist ein wesentlicher Aspekt sozialer Kompetenz die eigenen Gefühle in Übereinkunft mit den geltenden Regeln und Normen bringen zu können.

Lässt sich emotionale Intelligenz messen und verändern

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Goleman hat in Zusammenarbeit mit der Hay Group ein Konzept zur Analyse und Bewertung emotionaler Intelligenz entwickelt und ein Trainingskonzept entworfen, dass eine Veränderung des emotionalen Verhaltens nachhaltig bewirken soll.

Über den Fragebogen "Emotional Competency Inventory"(ECI) werden die Daten der Mitarbeiter erhoben, als unterstützende Instrumente können auch Assesment-Center oder "Behavioural Event Interviews"eingesetzt werden. An Hand dieser Daten wird ein EQ ermittelt, der die Stärken und Schwächen der Kandidaten oder Mitarbeiter offen legt.

Im Gegensatz zum IQ lassen sich die EQ-Werte verändern, wenn auch langsam. Über mehrere Trainingseinheiten sowie Einzelcoaching wird die Reaktionskette von Gefühlen, Gedanken und Verhalten angestoßen, so dass sich die gewünschten Ergebnisse emotionalen Handelns einstellen und manifestieren können.

Die Frage, in wie weit sich Emotionen evaluieren und verändern lassen, wird im Hinblick auf die von Goleman entwickelten Verfahren kritisch betrachtet.

Für Oswald Neuberger, Professor für Psychologie an der Uni Augsburg, ist "emotionale Intelligenz"ein "amöbenartiger, dehnbarer, unscharfer Begriff" der aus den fünf qualitativen Begriffen Selbstreflexion, Selbstkontrolle, Motivation, Empathie und soziale Kompetenz willkürlich zusammengestellt wurde. Einen wissenschaftlichen Nutzen kann Neuberger nicht ausmachen, da es im Vergleich zum IQ keine validen Messdaten für diese Intelligenz gibt.

Er sieht weiterhin ein Streben nach Konformität der Emotionen, in der Gefühle wie Ärger, Wut oder Neid nicht erlaubt sind und es von daher zu einer "aseptischen und funktionalisierten und deshalb verlogenen Emotionalität" kommt.

Fazit

"Emotionale Intelligenz" und die bislang entwickelten Erfassungsmethoden bieten dem Entscheider über die bisherigen Einschätzungs- und Beurteilungsverfahren, die vorwiegend auf die Überprüfung rationale Kenntnisse ausgerichtet waren, eine sinnvolle Ergänzung an.

Denn im täglichen Umgang mit den Kunden und Mitarbeitern entscheidet die ?emotionale?Kompetenz über den Erfolg des Mitarbeiters und die Akzeptanz bei den Kollegen. Dies hat letztlich auch Auswirkungen auf das Klima und die Kultur der Organisation.

?Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile?: Für die Bewertung des Menschen in der Arbeitswelt ist die ?emotionale Intelligenz?ein weiteres Segment, das es erlaubt, den Blick des Beurteilers zu erweitern.

Links und Literatur

  • Sehr guter Artikel über emotionale Intelligenz:
    http://www.zeitzuleben.de
  • Erfolgsgefühle. Für alle, die erkannt haben, dass Menschen nicht mit dem Verstand zu bewegen sind, gibt's jetzt das EQ_eBook "Mit Gefühl zu mehr Erfolg" als PDF-Datei. Auf 13 Seiten bekommen Sie einen Überblick über die Fähigkeiten, mit sich und anderen erfolgreich umzugehen und viele Praxis-Tipps zur Umsetzung im Alltag. Mehr darüber erfahren Sie hier.
  • Denken, Lernen, Selbstlernen ? Auszüge aus Golemans Buch:
    http://www.netschool.de/ler/lerzit14.htm
    GOLEMAN, D. (1997): Emotionale Intelligenz. München 1997.
  • Michael Blochberger: Charisma und Emotion.
  • Artikel, der die Prüfkriterien für Emotionale Intelligenz in ACs der Merck KgaA beschreibt:
    Ermittlung von Emotionaler Intelligenz. In: Personalwirtschaft, 7/2001, S. 58-59

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