Kreditklemme

Kreditverknappung ist normal

"Die Funktion von Banken in einer Volkswirtschaft besteht nun einmal darin, zwischen kreditwürdigen und -unwürdigen Unternehmen zu diskriminieren."
Guido Zimmermann, Autor einer Studie der Deka-Bank zum US-Markt,
zitiert In: Handelsblatt, Banken müssen bei der Kreditvergabe mehr auf Risiken achten

Immer dann, wenn Unternehmen in einer Phase wirtschaftlichen Abschwungs Kredit benötigen, drehen Bankinstitute aufgrund eigener Schwierigkeiten den Geldhahn zu.

Steht eine schwere Kreditklemme (neudeutsch Credit crunch) bevor? Wie wird der deutsche Mittelstand zukünftig an Kredite kommen?
Das Wort Kreditklemme ist gerade in aller Munde. Zwei komplette Seiten widmet die Financial Times Deutschland am 22. August 2002 dem Thema "Wirtschaft in der Kreditklemme". Seit dem 23. August bringt sie sogar eine achtteilige Serie zum Thema. Die Wirtschaftswoche sieht Kreditschwierigkeiten nicht nur für krisengeschüttelte Branchen, sondern auch für erfolgreiche Dienstleister.

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Dabei ist eine Kreditklemme zunächst ein Konjunkturphänomen.
In einer Rezession fragen Unternehmen entsprechend weniger Kredite nach. Auch jetzt befindet sich die deutsche Wirtschaft in einer rezessiven Phase und das Kreditvolumen ist dementsprechend niedriger. Manche Finanzierungsprobleme sind zudem von den Unternehmen hausgemacht. In Boomzeiten wurden zuviele Kapazitäten aufgebaut, die nun nicht mehr rentabel sind, z.B.

  • Im Telekomsektor
    Im Kampf um sechs UMTS-Lizenzen lieferten sich Telekommunikationsunterneh-men ein ruinöses Bietverfahren. Ca. drei bis vier der Lizenzen werden rentabel sein. Zwei Unternehmen sind bereits pleite, Mobilcom steht kurz davor und hängt am Tropf von France Telekom.
  • In der Möbelbranche,
    Expansion war die letzten Jahre oberstes Ziel, der Raum zwischen Stuttgart und Alb hat die höchste Pro-Kopf Verkaufsfläche in ganz Deutschland. Die ersten Mö-belhäuser mussten bereits aufgeben.
  • Einzelhandel,
    auch hier wurde die Verkaufsfläche fleissig ausgeweitet.

Bei fehlender Nachfrage nehmen Unternehmen nur noch die nötigsten Ersatzinvestitionen vor.

Auf der anderen Seite haben auch die Banken gute Gründe, das Kreditvolumen einzuschränken. Während in Boomzeiten eine gute Idee und überzeugende Präsentation für den Erhalt von Krediten ausreichte, prüfen die Banken im Konjunkturabschwung die Geschäftsmodelle besonders kritisch. In der Krise häufen sich die Unternehmenspleiten, siehe die Konzerne Holzmann oder Kirch und die Kreditportfeuilles sind ohnehin angeschlagen. Die Rücklage von Eigenkapital in die Risikovorsorge engt den Spielraum für Kredite zusätzlich ein.

Was ist diesmal schlimmer?

Insbesondere der Mittelstand bangt um seine bisherige, billige Finanzierung. Unabhängig von der Bonität des jeweiligen Unternehmens musste eine Bank nach den Kreditrichtlinien (Basel I) den Kredit mit 8% ihres Eigenkapitals unterlegen. Die Müller GmbH konnte sich eventuell zu gleichen Konditionen verschulden wie etablierte Großunternehmen wie z.B. DaimlerChrysler. Durch Basel II verändert sich nun diese Situation. Die heute gültige pauschale Unterlegungspflicht für Risikoaktive soll zugunsten einer risikoadäquateren Anrechnung ersetzt werden. Engagements mit höherem Risiko erfordern in Zukunft auch eine höhere Eigenkapitalunterlegung. (Säule 1 - Mindestkapitalanforderungen. Insgesamt gibt es drei Säulen.)

Viele Banken könnten Basel II zum Anlass nehmen, ihr Kreditportefeuille umzustrukturieren. Risikoaufschläge für mittelständische Unternehmen insbesondere in strukturschwachen Gegenden könnten bisher zu niedrig gewesen sein, wie der Bankrott der Schmidt Bank zeigt. (vgl. Haben Banken den Mittelstand schon zu lange subventioniert?)

Mögliche Auswege

Welche Finanzierungsquellen können mittelständische Unternehmen außerhalb der Bankenwelt anzapfen?

1. Eigenkapital aus dem Cash-flow

Traditionelle bleibt den vielen profitablen Unternehmen der Ausweg, Investitionen aus dem laufenden Cash-flow zu finanzieren. Dieser wird zwar in der schwachen Konjunkturphase auch nicht üppig fließen, aber diese Quelle versiegt nicht so schnell wie externe Quellen.

Porsche beispielsweise hat eine Eigenkapitalquote von 36% und finanzierte seine Investitionen 2000/2001 überwiegend aus dem freien Cash-flow. (vgl. "Es geht auch ohne Kredite")

Die Textilfirma Trigema aus Burladingen auf der Schwäbischen Alb tritt zur Zeit in Werbespots auf. Der Inhaber Herr Grupp erläutert, dass sein Unternehmen seit seinem Bestehen in Deutschland produziert und nie einen Kredit in Anspruch genommen hat.

2. Leasing

Auch an Sachkapital gebundene Leasingkredite erweisen sich in diesen harten Zeiten als relativ konjunkturrobust. Zwar dürften auch Leasingbanken vermehrt Kredite an Unternehmen in schwieriger wirtschaftlicher Situation ablehnen. Aber der Wert der Anlage gibt neben der Bonität zusätzliche Sicherheit.

2001 errechnete das Ifo-Institut eine Zunahme der Leasing-Investitionen um 5%. Auch ein Vorstandsmitglied des Marktführers Deutsche Leasing (DL) sieht deutliche Zuwachsraten im Leasinggeschäft, das durch Basel II hervorgerufen wird. (vgl. "Leasing schont die Kreditlinien...")

Denn im Vergleich zum Kredit bleibt beim Leasing die Bilanz kürzer und damit die Eigenkapitalquote des Unternehmens höher. Allerdings ist Leasing nur für Unternehmen möglich, die gängige Anlagen verwenden. Spezielle Maschinen, die der Leasinggeber auf dem Markt nicht wieder verkaufen oder weiterverleasen kann, werden nach wie vor über Kredite finanziert werden müssen.

3. Unternehmensanleihen (Corporate Bonds)

Viele Unternehmen scheinen diesen Weg beschreiten zu wollen (oder zu müssen), worauf die erhöhte Nachfrage nach Ratings durch Standard&Poors; und andere Ratinginstitute hinweist. Ein Unternehmen geht dabei direkt an den Kapitalmarkt und legt wesentliche Unternehmensinformationen für externe Ratingagenturen offen. Die Bonitätseinstufung dieser Agenturen bestimmt wesentlich den Zinsaufschlag, den die Unternehmen auf Staatsanleihen zahlen müssen.

Diese Finanzierungsquelle eignet sich jedoch nur für mittlere und große Unternehmen, die die Kosten einer Anleiheemission tragen können. Ernst-Moritz Lipp, Professor an der Uni Frankfurt und Partner einer Beteiligungsgesellschaft meint, der Mittelstand könnte zukünftig transparenter mit Informationen umgehen und Schwächen im Controlling ausbügeln. Viele Unternehmen wüssten nicht genau, "wo sie Geld verdienen und wo sie welches verlieren." (vgl. "Die Kreditkrise des Mittelstands")

4. Aktienemissionen

Hier hat das Debakel am Neuen Markt auch vielen seriösen Unternehmen und Banken Kredit gekostet. So fällt es selbst im Qualitätssegment der deutschen Börse für mittlere Unternehmen SMAX notierten Unternehmen schwer, Eigenmittel aufzutreiben. Trotz erhöhter Anforderungen an Reporting (vierteljährliche Berichte) ist dieses Segment der Börse nie aus dem Dornröschenschlaf erwacht.

In Zeiten, in denen in den Medien Themen wie Bilanzmanipulationen und kriminelle Manager vorherrschen, können Neuemissionen selbst von eigentlich erfolgreichen Unternehmen nicht platziert werden. Prominente Beispiele waren die Absage des Börsengangs der Merck-Tochter Medco oder des Modehauses Prada aufgrund des ungünstigen Börsenklimas im Juli 2002. (

5. Beteiligungen/Beteiligungs-Fonds (Private Equity Fonds)

Der Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandelsverbandes Anton F. Börner will Beteiligungen quer durch die Regionen und Branchen bündeln. So will er Eigenkapitalbeteiligungen auch für kleinere Unternehmen möglich machen. Denn bisher sind deutsche Unternehmen mit durchschnittlich 18% Eigenkapitel unterversorgt, im Vergleich zu niederländischen oder belgischen Unternehmen mit 45% oder US-amerikanischen Unternehmen mit ca. 50% Eigenkapital.

Der "Börner-Fonds" soll über die Hausbanken vertrieben werden und wird vom Bundesverband Deutscher Investment- und Vermögensverwaltungsgesellschaften und dem Deutschen Industrie- und Handelstag unterstützt. (vgl. Eigenkapital-Fonds für den Mittelstand)
Die Idee, einen Publikumsfonds aufzulegen, der sich an kleinen und mittleren Unternehmen beteiligt, klingt gut, aber der Zeitpunkt der Markteinführung scheint nach dem Börsendebakel eher schlecht gewählt.

Fazit:

Angesichts schwieriger Finanzierungsalternativen für den Mittelstand sollte auch aus dieser Rezession keine Depression werden. Sparkassen, Landesbanken, Volks- und Raiffeisenbanken sind vermehrt Ansprechpartner für den Mittelstand

Zudem kam es in der Weltwirtschaftsgeschichte nur im Anschluss an das Jahr 1929 zu einer Depression und damit einer echten Kreditklemme, die ihre Ursachen vor allem in der starren Wirtschaftspolitik der Notenbanken und Regierungen hatte. Da sich die Politik der Probleme des Mittelstands bewusst zu sein scheint, dürfte ein Aufschwung aus dem Tal möglich sein.

Links und Literatur

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