Last- und Performancetests

Muskelaufbau und Konditionstraining für die IT

Am 27. Juli 2012 ist es so weit: Dann fällt der Startschuss für die Olympischen Spiele in London. An siebzehn Wettkampftagen werden nicht nur die mehr als 10.000 Athleten in 26 Sportarten Höchstleistungen vollbringen. Auch die IT-Spezialisten im Hintergrund arbeiten rund um die Uhr daran, einen absolut reibungslosen technischen Ablauf des Großereignisses sicherzustellen. Die Vorbereitungen im Technology Lab laufen bereits seit Anfang 2010 auf Hochtouren. Hier testen unsere Experten die IT-Infrastruktur der Sommerspiele vor dem Start rund 200.000 Stunden lang.

Auch wenn die Dimensionen nicht immer so spektakulär sind wie bei der Olympiade: Last- und Performancetests wie diese begleiten viele IT-Projekte in Unternehmen aller Branchen. Zu Recht, wenn man die schwerwiegenden Folgen von Systemausfällen aufgrund von Überlastungen oder anderen vermeidbaren Ursachen betrachtet.

Oft steht viel bei der Umsetzung von Online-Projekten auf dem Spiel. Wenn beispielsweise das System eines neuen Webshops die Zahl der Aufrufe nicht bewältigen kann, zu langsam wird oder gar abstürzt, sind die potenziellen Kunden genervt und verlieren das Interesse. Es drohen hohe Umsatzausfälle, denn der Geduldsfaden der Nutzer ist kurz.

Schnelle Ladezeiten hingegen und eine gute Shop-Performance fördern die Kundenbindung: Jeder zweite Internetnutzer gibt laut einer Studie von Forrester Consulting an, dass sich die Aufbaugeschwindigkeit der Webseiten auf seine Loyalität zum Online-Shop auswirke. Enorme Kosten drohen auch, wenn wichtige Systeme im Unternehmen ausfallen und die Produktivität der Anwender einschränkt. Wie CA Technologies ermittelte, verbuchen Betriebe im Durchschnitt eine IT-Ausfallzeit von jährlich 14 Stunden und schätzen die so entstehenden Umsatzeinbußen auf bis zu 30 Prozent.

Eine wichtige Komponente zur Qualitätssicherung sind strukturierte Last- und Performancetests im Vorfeld einer Systemänderung. Dabei geht es nicht darum, Fehler im Code einer Applikation zu finden. Vielmehr lautet das Ziel, mit strukturierten und methodischen Ansätzen Abweichungen von den Systemanforderungen aufzudecken sowie die Performance- und Lastbedingungen festzulegen.

Nach und nach mit mehr Gewichten trainieren

Mit Hilfe von Lasttests erhalten die IT-Verantwortlichen Kennzahlen für die Kapazitätsplanung und können so entscheiden, ob die vorhandenen Systemressourcen den geschäftlichen Anforderungen und zu erwartenden Spitzenwerten gerecht werden. Während des Tests wird die Last nach und nach auf das gewünschte Maß erhöht. So wird schnell klar, welche Stabilität unter welcher Last zu erwarten ist.

Performance-Tests hingegen zielen darauf ab, Verarbeitungsgeschwindigkeiten und Antwortzeiten im Hinblick auf steigende Last zu messen. Die Messung wird aus Sicht des Anwenders vorgenommen, sie erfolgt aber in den meisten Fällen in einer Testumgebung. So lassen sich Performance-Risiken vor der Implementierung feststellen und beseitigen. Zudem ist ersichtlich, welche Leistung hinter den unterschiedlichen Geschäftsprozessen steckt.

Zugegeben, solche Tests erhöhen auf den ersten Blick das Projektvolumen und können die Einführung neuer Systeme und Lösungen verzögern. Dennoch nehmen viele Unternehmen und Behörden diesen Aufwand bewusst in Kauf. Denn Hardware-Systeme und vor allem Software-Lizenzen können sehr viel gezielter, sicherer und kosteneffizienter eingesetzt werden, wenn die Kapazitäten im Vorfeld klar sind. Eine gute Planung ist daher im wahrsten Sinn des Wortes viel wert.Somit bilden Last- und Performance-Tests eine solide Grundlage für Investitionsentscheidungen.

Insbesondere wenn eine neue Infrastruktur oder partielle Änderungen in Betrieb bevor stehen, ist ein vorheriger Test anzuraten. Test-Experten gehen dabei so vor, dass sie mit den Lasttest-Werkzeugen eine Grundlast auf den kritischen Systemen generieren.

Dann kommt die Bewährungsprobe: Testweise wird der Netzwerkstecker gezogen. Das System muss automatisch umschwenken und etwa einen dafür vorgesehenen Backup-Switch nutzen.

Testen ohne wenn und aber?

Sicher verlangt nicht jedes IT-Projekt aufwändige Testverfahren. Doch wann sind sie ratsam?

Eine Testphase ist insbesondere vor der Einführung neuer Software-Produkte empfehlenswert oder bei Software-Änderungen, die Auswirkungen auf Performance, Effizienz, Verfügbarkeit, Zuverlässigkeit oder Robustheit haben.

Doch auch ein verändertes Mengengerüst sollte im Vorfeld getestet werden, etwa wenn große Marketingkampagnen geplant sind.Gleiches gilt für geänderte Geschäftsprozesse, die sich maßgeblich auf das Datenaufkommen auswirken, wie beispielsweise die Umstellung auf Online-Rechnungen.

Für Plattform-Migrationen, neue Releases, Upgrades auf der Applikationsebene, Systemeinführungen oder Infrastrukturänderungen empfehlen sich ebenfalls Testdurchläufe.

Grundsätzlich gilt: Je geschäftskritischer das Projekt, desto weniger Risiko sollte in Kauf genommen und desto ausführlicher sollte getestet werden.

Mit Hilfe von Profis Höchstleistungen erzielen

Ein Testprojekt übersteigt schnell die Kapazitäten der internen IT-Abteilung. Die internen Mitarbeiter sind meist mit dem Tagesgeschäft ausgelastet, und obendrein fehlen für ein zusätzliches Testprojekt oft schlicht die Ressourcen. In diesem Fall ist es ratsam, Experten mit langjähriger Erfahrung in puncto Last- und Performance-Tests einzuschalten.

Zum einen können sie eine objektive Risikobewertung abgeben, einschließlich einer Empfehlung, welche Tests sinnvoll sind. Zum anderen setzen sich die Testteams spezialisierter IT-Dienstleister aus Experten mit unterschiedlichen fachlichen Schwerpunkten zusammen, etwa für Applikationsumgebungen wie SAP und Citrix oder für spezielle Technologien.

Zudem kennen die Spezialisten sämtliche Test-Werkzeuge am Markt und können objektiv bewerten, welches sich am besten für eine spezielle Anforderung eignet. In der internen Fachabteilung ist dieses Experten-Know-how naturgemäß selten in dieser Breite vorhanden. Sind die Syseme erst einmal auf Herz und Nieren überprüft, lassen sich anstehende IT-Herausforderungen ruhigen Gewissens meistern.

Unterdessen wird in London für die Olympischen Spiele noch fleißig getestet. Den Höhepunkt bildet die technische Generalprobe. Beteiligt sind Hunderte Menschen, die jedem noch so kleinen Fehler auf die Schliche kommen. Damit auch nichts schief geht, wenn das olympische Feuer 2012 entzündet wird und es offiziell heißt: auf zu neuen Höchstleistungen!  

Autor

Andreas Schulz
Test und Acceptance Management Solution Manager bei Atos 

Atos Deutschland
Theodor-Althoff-Str. 47
D-45133 Essen

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