Return on Investment

Berechnung und Vorteile des Mindestverzinsungsanspruchs

"Kaum ein IT-Leiter, der nicht unter der ständigen Rechtfertigung der Wirtschaftlichkeit von Projekten und Anschaffungen leidet. Fast alle haben Probleme, ihren Finanzchefs den ROI zu erläutern.”
aus Informationweek, 03/2002

Der Vorstandsvorsitzende von VW, Bernd Pischetsrieder, wendet sich von der Steuerungsgröße Vorsteuer-Umsatzrendite ab. Er setzt vielmehr auf verstärkte Kommunikation und vor allem auf den Return On Investment (ROI) als neue Steuerungsgröße.

Der ROI wurde 1919 erstmals in den USA entwickelt und angewendet. Und vom Chemieunternehmen E.I. Dupont de Nemours als internes Management- und Kontrollsystem eingesetzt. Später wurde der ROI modifiziert und als Economic Value Added (EVA) oder Return On Capital Employed (ROCE) bekannt.

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Der ROI gibt an, was aus dem Investment "zurückkehren" soll, welche Rendite das gesamte im Unternehmen eingesetzte Kapital erwirtschaftet hat. Er zeigt das Gewinnziel bzw. den prozentualen Anteil des Gewinns am Gesamtkapital.
Er errechnet sich als Produkt aus den beiden Kennzahlen Umsatzrentabilität und Kapitalumschlag und drückt die jährliche Rentabilität des investierten Kapitals aus:

  • Die Kennzahl "Umsatzrentabilität" analysiert den Gewinn im Verhältnis zum Umsatz.
  • Die Kennzahl "Kapitalumschlag" analysiert das Verhältnis Umsatz zu investiertem Kapital.

Der ROI bietet dem Investor einen Vergleich zwischen

  • wie viel sein Investment in die Aktie an Dividende und Kurssteigerungen erzielt hat und
  • ob er für das angelegte Geld mehr als beispielsweise bei sicheren Staatsanleihen oder Immobilien bekommt.

Die Kapitalrendite kann aber vor allem mit anderen Kapitalanlagemöglichkeiten verglichen werden, die gleichem Risiko unterliegen. Für diesen Vergleich benötigt man drei Größen:

  • den Kapitaleinsatz,
  • ein Ergebnis, das dazu ins Verhältnis gesetzt wird und
  • zur Bewertung eine Benchmark-Rendite des Marktes.

Viele Unternehmen "übersetzen" gängige Methoden und Verfahren in die Unternehmenssprache:

  • So entspricht der ROI bei der DaimlerChrysler AG dem RONA (Return On Net Assets). Ziel war es, eine Rendite von 9,2 Prozent nach Steuern zu erreichen, welches im Jahre 2000 mit 7,4 Prozent, in 2001 mit nur noch 2,5 Prozent nicht erreicht wurde.
  • Die BMW AG verwendet intern für eine Rendite-Steuerungsgröße den Namen "Modellrendite" und nach extern gilt nach wie vor die Umsatzrendite vor Steuern.
  • Die VW AG bedient sich der Kenngröße NOPAT (Net Operating Profit After Taxes), allerdings unter dem Namen normalisiertes operatives Ergebnis und das Capital Employed wird "als zu verzinsendes eingesetztes Kapital " definiert.

In der Kurzanalyse wird die Betriebssituation im Hinblick auf die Kernziele optimale Liquidität und Rentabilität untersucht. Informationssysteme werden als Instrumente genutzt, die Liquiditäts- und Rentabilitätsaussagen zusammenfassen.
Im Rahmen der "Kurzanalyse" werden zwei Informationssysteme als Grundlage ausgewählt. Es handelt sich dabei um das "Du-Pont"-System und das aus ihm weiterentwickelte "ZVEI"-System. Hauptinformationsquelle beider Systeme sind die Bilanz und die G+V-Rechnung.

„Du-Pont-System“

Das "Du-Pont"-Informationssystem wurde um 1929 in Deutschland entwickelt. Es geht vom sogenannten ROI aus und greift damit überwiegend auf Datenquellen aus dem Finanzbereich einer Unternehmung zurück, insbesondere auf G+V Rechnung und Bilanz. Für Kennzahlen über die Umsätze (Produktgruppen) kommen als Datenquellen außerdem noch Teile der Betriebsstatistik (Absatzstatistik) hinzu.

Durch die schrittweise Analyse des ROI können die Haupteinflussfaktoren des Unternehmensergebnisses festgestellt und Schwachstellen systematisch eingekreist werden.
Die Bewertung des Vermögensbereichs der Bilanz spielt dabei eine wichtige Rolle. Die Aussagefähigkeit einer Analyse (insbesondere der Wachstumsanalyse) ist nur dann gegeben, wenn sich - aus Gründen der Vergleichbarkeit - die Bilanz-Bewertungsrichtlinien über Jahre hinweg entsprechen.

Im Soll-Ist-Vergleich werden dann die Ist-Kennzahlen, die die augenblickliche Situation widerspiegeln, den Ist-Kennzahlen der letzten 4 Jahre und den aus dem Budget entnommenen Soll-Kennzahlen für 4-5 Jahre gegenübergestellt.
Zusammenfassend ist zum Du-Pont-System zu sagen, daß es lediglich die Rentabilität des Betriebes untersucht.

Kennzahlen-Informationssystem ZVEI

Das System wurde vom Zentralverband der elektrotechnischen Industrie Deutschlands als Kennzahlensystem für alle Branchen und Betriebstypen entwickelt. Das Kennzahlen-Informationssystem ZVEI verfolgt sowohl die Liquidität als auch die Rentabilität. ZVEI ist demnach eine Fortentwicklung des Du-Pont-Systems und besteht aus folgenden Analysegruppen:

  • Wachstumsanalyse
  • Strukturanalyse
    (Analyse auf Basis des ROI (Du-Pont-System) und Analyse durch Bilanz-Kennziffern)

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Die Wachstumsanalyse

Die Wachstumsanalyse soll vor Beginn der rechnerischen Analyse (Strukturanalyse, Bilanzkennziffern) einen groben Überblick über das betriebliche Geschehen und seine bisherige Entwicklung und über die zukünftigen Erwartungen geben.
Die Wachstumsanalyse besteht aus fünf Analysegruppen:

  • Vertrieb
    (Entwicklung von Auftragsbestand, Umsatz und Kapazität),
  • Ergebnis
    (Entwicklung von Gewinn und Cashflow),
  • Kapitalbindung
    (Entwicklung von Anlage- und Umlaufvermögen - insbesondere Vorräte- und Personalaufwand),
  • Wertschöpfung,
  • Beschäftigung.

Die Standardanalyse

Die Standardanalyse verläuft wie im Du-Pont-System. Neben dem ROI wird die Cashflow Rechnung angewendet, welche neben dem Gewinn diejenigen Aufwendungen beinhaltet, die zu keinen Zahlungen im Berichtsabschnitt führen. Das wären z.B. Abschreibungen bzw. die Neubildung von Rückstellungen.

  • Cashflow = Gewinn + Abschreibungen + Rückstellungsbildung

Der Cashflow gibt Auskunft darüber, wie hoch im Berichtszeitabschnitt der Zuwachs an flüssigem selbstfinanzierten Kapital ist. Dieses Kapital steht in den Investitionsrechnungen für Ersatz- und Neuinvestitionen zur Verfügung, ohne dass neue Kreditaufnahmen notwendig werden.
Für die Analyse durch Bilanz-Kennziffern werden folgende Formeln verwendet:

  • Investierung
  • Konstitution
  • umsatzbedingte Liquidität
  • einzugsbedingte Liquidität
  • Barliquidität
  • Finanzierung

Die Bilanzkennzahlen geben darüber Auskunft, ob

  • die klassische Goldene Bankregel:
    EK finanziert das AV, bzw.
  • die modifizierte Goldene Bankregel:
    EK + langfr. FK = AV + Mindestbestand UV, bzw.
  • die Liquidität:
    UV - Mindestbestand = kurzfristige Verbindlichkeiten

ausreichend sind. Dabei handelt es sich lediglich um traditionelle Bonitätsregeln, die heute in gewissem Umfang noch berücksichtigt jedoch ergänzt werden durch den "leverage Effekt".
Der "leverage Effek" besagt, dass die Rentabilität des Eigenkapitals um so größer ist, je geringer der Eigenkapitalanteil am Gesamtkapital ist. Diese Aussage gilt allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Gesamtkapitalrendite größer ist als der durchschnittliche Bankzins.

Links und Literatur

  • Aus: Beraterhandbuch Osteuropa, Unternehmensberarung im Transformationsprozess, 2. Auflage 2000, Köln - Moskau, ISBN 3-933933-00-5

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