Was Manager nervt

Emotional Leader haben mehr Erfolg

Neulich machte ein deutscher Exportleiter in Brasilien einen Verlust von 45.000 Euro – und ließ in seiner Abteilung die Sektkorken knallen. „Zur Hölle mit den Controllern!“, war sein Trinkspruch. „Wir sind die ersten, die in Brasilien eine Anlage dieser Größenordnung verkauft haben! Hoch die Tassen!“ Hat der Mann ein Rad ab? Nein, er ist ein Emotional Leader.

Spaß ist Trumpf

In Interviews von Spitzenleistern wie Branson, Buffett oder Madonna sticht irritierend oft heraus, wie viel Freude an der Arbeit diese Leistungselite hat. Weil sie so erfolgreich ist?

Das glauben der affektive Laie und der Wirtschaftsprofessor. Was solche Emotional Leader hingegen glauben, ist das Gegenteil der verbreiteten Laienvermutung, die da lautet: Der Spaß kommt mit dem Erfolg.

Der Emotional Leader weiß: Es ist genau umgekehrt. Der Affekt aktiviert die Leistung. Der Spaß bringt den Erfolg. Kisten stapeln kann man auch mit mieser Laune. Doch die Voraussetzung von Spitzenerfolg ist Arbeitsfreude.

Neulich in Wien

Neulich in Wien zum Beispiel stand ein Bereichsleiter auf und meinte: „Was mir keinen Spaß macht sind Mitarbeiter, von denen nichts kommt! Leute, die sich nicht bewegen, wenn man sie nicht anstößt!“

80 Führungskräfte im Saal nickten zustimmend: Solche Spaßbremser sind Leistungsbremser. Was unternimmt man(ager) gegen solche Bremser? „Am besten rausschmeißen!“, meinte der Manager launig. Diesmal fiel die Reaktion im Saal nicht unisono aus.

Der Unterschied zwischen Normalmanagern und Emotional Leadern klaffte auf: Beide wissen, dass niemand an solchen Bremsern Freude hat. Doch nur der Emotional Leader hat den Mumm und die Beharrlichkeit, dieser affektiven Erkenntnis disziplinarische Konsequenzen folgen zu lassen.

Eine Abteilungsleiterin meinte: „Ich feuere die Leute nur ungern. Ich sorge lieber für eine interne Versetzung. An anderer Stelle blühen die Leute sogar meist auf!“ Weil sie wieder mehr Freude an der Arbeit haben – wie ihr Vorgesetzter auch: Win-Win.

Warum wird das so selten gemacht? Weil sich niemand traut, einen Mitarbeiter zu feuern/versetzen, bloß weil der „keinen Spaß macht“. Niemand, außer dem Emotional Leader.

Affekt als Diagnostikum

Ich behaupte: Der Affekt ist das wirkungsvollste Führungsinstrument überhaupt (aber sagen Sie das bloß nicht in einem MBA-Kurs). Wer mit der Spaß-Brille führt, macht aus einer komplexen Angelegenheit plötzlich ein eindimensionales Konstrukt: Es kommt nur noch auf den Spaß an.

Betrachten wir den Fall einer 38-jährigen Abteilungsleiterin, die kürzlich befördert wurde. Über ihr altes Team sagt sie: „Das sind Pit Bulls, die sich in jede Aufgabe geradezu verbeißen!“ Und Spaß dabei haben. Nach ihrer Beförderung war davon nichts mehr übrig. Der Spaß hatte ein Loch. Das alte Team ließ die Köpfe hängen, die Leistung fiel ins Bodenlose. Der neue Abteilungsleiter verschrieb ein Motivationstraining. Nachdem das nichts nützte, verschrieb der Vorstand dem Abteilungsleiter samt Team einen Teambildungsprozess.

Nachdem das auch nicht den erhofften Durchbruch brachte, sollte ich die Kastanien aus dem Feuer holen. Ich setzte weder an der Motivation noch an der Teamentwicklung an, sondern an den langen Gesichtern, die mich anblickten. Ich fragte sie: Nun, was fragte ich sie wohl?

Die Trivialitätsfalle

Ich fragte: „Warum zieht ihr solche Gesichter? Warum habt ihr keinen Bock mehr auf eure Arbeit?“

Als ich dem neuen Abteilungsleiter verriet, dass das die Schlüsselfrage zur Lösung seines Problems gewesen war, sagte er: „Ach, das ist doch total trivial!“ Ja, natürlich ist es das! Ich bin ja auch der König der Trivialität! Das ist nicht die Frage!

Die Frage ist: Wenn das so trivial ist, warum hat er das dann nicht selber gefragt? Antwort: Weil es so trivial ist!

Es gibt zwei Arten von Führungskräften. Die einen machen nur dann etwas Neues, wenn es total neu und revolutionär ist, möglichst teuer und mit einem englischen ‚Brand Name‘ daherkommt. Die anderen machen das, was wirkt – auch und gerade dann, wenn es trivial ist. Das sind die Emotional Leader.

Die Abteilungsmitglieder sagten mir: „Wir hatten früher so viel Spaß und so viel Erfolg, weil die alte Abteilungsleiterin uns ganz genau sagte, was wir tun mussten, um Erfolg zu haben. Der neue gibt uns bloß Ziele vor.“ So, wie er es beim MBA und in der Führung mit Zielvereinbarungen gelernt hatte.

Was nur wieder zeigt: Affekt schlägt MBA. Seit er sein Delegationsverhalten operationalisiert hat, kehrt langsam wieder der Spaß in die Abteilung ein und mit dem Spaß der Erfolg.

Burnout

Was ich regelmäßig höre, wenn ich Manager nach ihren Spaß-Killern frage: „Mein Terminkalender quillt diese Woche über – obwohl ich keinen einzigen Termin selbst eingetragen habe!“

Der Klassiker unter den Spaß-Bremsen und im Übrigen der Stress- und Burnout-Faktor #1: Fremdbestimmung. Nicht die chronische Überlastung, wie Hausärzte und Wirtschaftsredakteure gern vermuten. Oder wie mir ein Spitzenmanager mal klagte: „Ich bin Vorstand, aber kann noch nicht mal ein Drittel meiner Termine selbst bestimmen! Ich bin der bestbezahlte Tanzbär im Unternehmen!

Wirklich alle Manager kennen diese Klage, kennen das gesundheitsschädliche Gefühl der erdrückenden Fremdbestimmung. Seltsamerweise unternehmen nicht alle was dagegen. Die meisten machen nur das: klagen und kompensieren. Sie setzen ihre Feierabende und Wochenenden dran, um selbstbestimmt arbeiten zu können.

Der Emotional Leader macht das anders. Er toleriert das erdrückende Gefühl der Fremdbestimmung nicht zähneknirschend, sondern vereinbart regelmäßig Eigentermine mit sich selbst oder geht auf „Geschäftsreise“, um sich um die Dinge zu kümmern, um die er und nur er sich kümmern möchte.

Auch das ist trivial. Aber wie viele Manager tappen in die Trivialitätsfalle und machen das nicht (regelmäßig), weil es so trivial ist? Antwort: Jene Zehntausende, die jedes Jahr ausbrennen.

Wenn die Lösung so trivial ist, warum brennen dann so viele aus?

Stress als Siegel

Spaß ist die trivialste Sache der Welt. Jedes Kind kennt sie. Der Unterschied zum Manager ist, dass das Kind sie noch praktiziert. Der Manager „kennt“ den positiven Affekt bei der Arbeit nur noch als kognitives Konstrukt, dem er Trivialität vorwirft, ohne sich bewusst zu werden, dass die kognitive Erfassung eines Heilmittels keinen vernünftigen Menschen von dessen Anwendung entbindet.

Der Durchschnittsmanager „kennt“ Spaß. Branson, Buffett, Madonna und andere Spitzenleister praktizieren dagegen den positiven Affekt bei der Arbeit. Deshalb sind sie so erfolgreich – und ausgeglichen. Dem Durchschnittsmanager ist dieser Erfolg wegen des Surrogat-Syndroms verwehrt: Stress ist sein Erfolgssurrogat. Er verwechselt Stress mit Erfolg.

Eine alte preußische Tugend: Viel Feind – viel Ehr‘! Selbst wenn er die überragende Bedeutung von positiven Affekten erkennt, tappt er dann meist in die Wahrnehmungsfalle: Er hält sich für weitaus spaßiger, das heißt affektiv aktivierender als seine Mitarbeiter das tun.

Deshalb bewundere ich Emotional Leader: Sie bescheißen sich nicht selbst und versuchen auch nicht, ihre Umwelt für dumm zu verkaufen. Sie arbeiten jeden Tag hart daran, dass der PAA-Level ihrer Mitarbeiter, die sogenannte Positive Affektive Aktivierung, sich mindestens sechs von acht Stunden über dem empirisch ermittelten Schwellenwert liegt. Das ist, wie gesagt, harte Arbeit. Doch ihr Lohn ist ohnegleichen: Spitzenleistung ist nur mit Spaß an der Arbeit erreichbar. Beim Manager wie bei seinen Mitarbeitern.

Autor

Klaus Schuster war lange Jahre Vorstand und Troubleshooter in internationalen Banken, bevor er sein eigenes Unternehmen gründete. Jetzt coacht, trainiert und berät er Manager und ihre Mitarbeiter. Und er schreibt Business-Bestseller: „11 Managementsünden, die Sie vermeiden sollten“ und „Der freche Vogel fängt den Wurm“. Eben erschien sein neuestes Werk: „Keinen Bock mehr?“, das den Frust im Management beleuchtet. Seine Lösung: Sei ein „Emotional Leader“ und manage aktiv dein Umfeld und deine Gefühle. Dieser so simple wie grausam unterschätzte Zusammenhang hat ihn in den letzten Jahren so fasziniert, dass seine themenzentrierten Exkursionen in die Tiefen des Managements inzwischen ein ganzes Buch abgeben. Schuster hält Vorträge zum Buch, die ihn derzeit durch den deutschsprachigen Raum führen.

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