Wie der Zweite Weltkrieg bis heute Karrieren beeinflusst

Die Eltern oder sogar Großeltern haben den Zweiten Weltkrieg erlebt. Als Soldaten, im Bombenhagel oder als Vertriebene. Diese traurige Realität in vielen deutschen Familien hat bis heute Einfluss auf die Karrieren der Kinder und Enkel. Das ist in den vergangenen Jahren der Münchner Diplom-Psychologin Madeleine Leitner immer klarer geworden. Heute sagt sie: „In den traumatischen Kriegs-Erlebnissen der Familien liegt häufig der entscheidende Schlüssel zum Verständnis von Karriere-Problemen der heutigen Generation.“

Madeleine Leitner berät seit über zwei Jahrzehnten Fach- und Führungskräfte, die beruflich unzufrieden sind oder in ihrer Karriere nicht weiterkommen. Dabei beobachtet die Diplom-Psychologin immer wieder merkwürdige Phänomene: manche Klienten litten unter diffusen, objektiv irrationalen Existenzängsten. Andere lebten symbolisch jahrzehntelang auf „gepackten Koffern“. Und nicht wenige klammerten sich an falsche Jobs und blieben weit unter ihren eigentlichen Möglichkeiten. Bei genauerer Betrachtung der familiären Vorgeschichte trat Erstaunliches zu Tage: Kriegserlebnisse der Vor-Generationen hatten sich unmittelbar auf dieses seltsame Verhalten der Kinder und Enkelkinder ausgewirkt.

So zerbrach ein erfolgreicher Manager fast an seinem übergroßen Ehrgeiz. Sein vermeintlicher Traumjob bei einem extrem renommierten Arbeitgeber machte ihm eigentlich gar keine Freude. Erst auf dem Hintergrund seiner Familiengeschichte wurde ihm klar, wie sehr er unter einem massiven Erwartungsdruck seiner Familie stand. Mit der Vertreibung aus dem Sudetenland hatten seine angesehenen und stolzen Großeltern alles verloren. Ohne sich dessen bewusst zu sein, versuchte der Manager, diese Schmach seiner Familie durch eine glänzende Karriere wieder gut zu machen.

Ein anderer, selbständig tätiger Mitvierziger vermied es tunlichst, neue Kunden zu akquirieren. Er hatte große Angst, sich dabei zu blamieren. Im Gespräch wurde klar, dass er sich schon als Kind für das peinliche Verhalten seiner Mutter geschämt hatte. Diese, Jahrgang 1944, war häufig extrem ausgerastet und zeigte typische Züge einer emotional instabilen Borderline-Persönlichkeit, einer Folge von traumatischen Erfahrungen während der Endphase des Krieges.

Heute weiß man von den psychologischen Folgen und posttraumatischen Belastungsstörungen, die ein Krieg bei den Betroffenen hervorruft. Die Erlebnisse von Tod und Leid, die Todesängste bei Bombenangriffen, der Hunger, die Not und das Elend. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Betroffenen mit diesen Problemen aber allein gelassen. In der Regel wurde noch nicht einmal darüber gesprochen.

„Dabei sind die Folgen bei vielen von uns bereits im täglichen Leben und Verhalten offensichtlich“, meint Madeleine Leitner. „Wer kennt beispielsweise nicht den Satz: Der Teller wird leer gegessen. In anderen Ländern gibt es das so nicht. Auch das sind Relikte aus der Zeit während und nach dem Zweiten Weltkrieg, als viele Familien nichts zu essen hatten und fast verhungert wären.“

Existenzängste, Ängste vor Veränderungen, ein ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis, übertriebener Ehrgeiz, Minderwertigkeitsgefühle – all dies wurde über die Generationen bis heute weitergegeben und hemmt viele Betroffene in ihrer beruflichen Karriere.

Madeleine Leitner rät darum jedem, der mit seiner Karriere hadert, sich selbst einmal die folgenden Fragen zu stellen: Waren der Vater oder Großvater im Krieg und wo? Wurde darüber gesprochen? War jemand von Flucht oder Vertreibung betroffen? Wie wurde die Familie von den Ortsansässigen behandelt? Gab es traumatische Kriegserlebnisse wie den Tod von Angehörigen, schwere Bombardements, den Verlust der Wohnung, Evakuierungen, längere Trennungen durch Gefangenschaft?

Aus ihrer Erfahrung weiß Madeleine Leitner: „Allein das Wissen über die biografischen Zusammenhänge bringt oft Erleichterung und neue Erkenntnisse für die eigene, aktuelle Situation. Leistungsdruck im Job, ein starkes Bedürfnis nach Sicherheit oder übertriebener Ehrgeiz, die häufig die Karriere hemmen, werden auf einmal in einen ganz neuen Kontext gesetzt. Und erst dann können die Betroffenen auch beruflich ihren eigenen Weg finden.“

Autorin Madeleine Leitner

Die Münchner Diplom-Psychologin Madeleine Leitner berät Menschen in beruflichen Umbruchsituationen. Nach einigen Jahren Berufserfahrung als Psychotherapeutin in einer psychosomatischen Klinik und als Gerichtsgutachtern arbeitete sie lange als Personalberaterin. Sie absolvierte Ausbildungen bei den führenden Karriereberatern in den USA, London und Genf und war Pionier für Karrierethemen in Deutschland.

Mit Büchern, Vorträgen und Expertenbeiträgen gibt sie bis heute viele Impulse im deutschsprachigen Raum.

Nähere Informationen erhalten Sie direkt bei Madeleine Leitner, Ohmstraße 8, 80802 München, Telefon: 089/33079444, im Internet unter http://www.karriere-management.de oder per E-Mail unter ML@Karriere-Management.de

 

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